Herbstspaziergang im Brandenburger Land

Der giftige Fliegenpilz! Sieht schön bunt aus, kann man aber nicht essen!
Der giftige Fliegenpilz! Sieht schön bunt aus, kann man aber nicht essen!

Es ist das letzte Wochenende im September. Der meteorologische Herbst hat bereits angefangen und im Gegensatz zum verregneten August ist es herrlich warm und die Sonne scheint. Genau die richtigen Voraussetzungen, um einen kleinen Ausflug zu machen.

 

In Begleitung mache ich mich auf in Richtung Brandenburg in das Oder-Spree-Land. Es duftet herrlich frisch nach Wald, das Moos ist strahlend grün und die Blaubeersträucher bedeckt ein leichter Nebelschleier. Zwischen den Bäumen schlängeln sich die Sonnenstrahlen hindurch und lassen Wassertropfen in Spinnennetzen glitzern.

 

Die Umgebung passt. Das Wetter passt. Und schon beim Betreten des Waldes entdecken wir die ersten Pilze. Unter den vielen bunten, dafür aber giftigen Pilzen, verstecken sich auch etliche essbare Exemplare: Maronen, Steinpilze und Pfifferlinge wandern so nach und nach in unser Körbchen. Auch ein besonderer Leckerbissen, der Schirmpilz, blitzt durch das dichte Laubwerk hervor. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich bis vor zwei Jahren keinen blassen Schimmer von Pilzen hatte. Aber ich lerne. Jede Pilzsaison mache ich mehr und mehr Fortschritte. Letztes Jahr standen die Pfifferlinge und die Krause Glucke (eine Seltenheit, die sehr lecker schmeckt) auf dem Stundenplan. Dieses Jahr gab es eine Lektion in Sachen Maronen und Steinpilzen. Ich bin gespannt, was nächstes Jahr ran kommt.

 

Eine Marone
Eine Marone
Ein leckerer Steinpilz
Ein leckerer Steinpilz
Ein Haufen Pfifferlinge
Ein Haufen Pfifferlinge

Da sich das Blickfeld bei der Pilzsuche quasi nur auf den Boden beschränkt, schrecken wir hoch als ein ebenfalls aufgeschrecktes Damwild vor uns davon läuft. Vermutlich war es eine Hirschkuh, denn im Hintergrund lief noch eine viel größere Gestalt davon. Wirklich ein imposantes Naturschauspiel, das wir Großstadtkinder nicht allzu oft zu Gesicht bekommen.

 

Der Nachmittag plätschert so dahin, es ist ruhig im Wald und nur ein, zwei Wanderer begegnen uns auf unserem Weg. Wir machen eine ausgiebige Sonnenpause auf einem abgeernteten Feld und es ist einfach ein erholsamer und friedlicher Nachmittag. Keiner von uns merkt, dass bei unserer Rückkehr schon fünf Stunden um sind. Nur mein Magen, denn ich habe kräftig Kohldampf! Die geliebte Bifi und eine Handvoll Mandeln als Wegzehrung haben wohl nicht ausgereicht!

 

Wir fahren wieder zurück nach Berlin, wo uns der Großstadtdschungel mit einem ordentlichen sonntäglichen Stau in seine Arme schließt! Gleich am nächsten Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, merke ich wie erholsam der gestrige Nachmittag war und vor allem wie frisch und sauber Luft sein kann. Ganz im Gegensatz zu der mit Abgasen verpesteten Luft auf der Prenzlauer Allee! Ich habe den Geruch von Wald, Moos, frischen Pilzen und ein bisschen Regen noch immer in der Nase. Gedanklich.

 

Die Moral der Geschicht: nehmt euch eine Auszeit und genießt Mutter Natur, auch wenn es nur für ein paar Stunden ist. Sobald man frischen Waldboden betritt, sind der Alltag, Sorgen und Stress (fast) sofort vergessen und die Erholung setzt ein. Vor allem wir Berliner haben unzählige Möglichkeiten mit der Bahn oder mit dem Auto raus aus der Stadt und rein in den Schoß von Mutter Natur zu gelangen!

 

Ein paar Worte über Pilze

Der Schirmpilz, auch Parasol genannt, ist eine Champignonart und sieht einem giftigen Verwandten sehr ähnlich. Der essbare Schirmpilz hat aber ein prägnantes Erkennungsmerkmal, anhand dessen man ihn leicht von den nichtessbaren Pilzen unterscheiden kann: einen verschiebbaren Ring um den Stiel herum.

 

Wir haben nur solche Pilze gesammelt, die wir auch wirklich kennen. Wie gesagt, mein Begleiter unterrichtet mich zurzeit. Falls doch einmal ein falscher Pilz im Körbchen und anschließend in der Pfanne landet, endet das in der Regel mit Magengrummeln oder Bauchschmerzen. Erst der Verzehr von sehr vielen nicht essbaren Pilzen führt zu einer Vergiftung und sollte vom Arzt behandelt werden.

 

Gesammelte Pilze sollten innerhalb von 24 Stunden sauber gemacht werden und in irgendeiner Form konserviert werden. Sofern sie nicht gleich in der Pfanne landen, zusammen mit einigen Kräutern, Zwiebeln und Speck! Den leckeren Schirmpilz habe ich übrigens ganz einfach in einer Pfanne mit wenig Fett angebraten. Dazu nur den Schirm ohne Stiel von beiden Seiten anbrutzeln, wie ein Schnitzel, und fertig ist er!

 

Der alte Trick, die Pilze auf einer Schnur aufzufädeln, gelingt nur bei sehr warmen Tagen. Die einfachste Methode ist, die Pilze auf Papier an frischer Luft oder bei niedriger Temperatur im Ofen zu trocknen. Nach zwei Tagen können die getrockneten Pilze in einen Behälter gelagert werden, natürlich müssen die schimmeligen Stücke vorher aussortiert werden.

 

Viel Spaß beim Pilze sammeln und „Waidmannsglück“!