Glücklich sein - einfach so!

Ein Plädoyer für die Mäßigung unserer Ansprüche

Bei meinem letzten Streifzug durch den Kiez bin ich ins Grübeln gekommen. Das war am Sonntag. Ich saß da so auf einer Hängematte im umfunktionierten Park der ehemaligen Friedhöfe St. Marie und St. Nikolai und träumte vor mich hin. Die Sonne wärmte mein Gesicht. Alles war entspannt und friedlich. So könnte es immer sein. So kann es immer sein, dachte ich bei mir. Warum denn nicht? Um glücklich zu sein, braucht es doch nicht viel!

 

Haben wollen. Immer nur haben wollen. Immer das Neueste vom Neuesten und das Beste vom Besten besitzen wollen. Doch was bringen uns das neueste Model vom iPhone, der tollste Fernseher oder die trendigsten Klamotten? Sind wir damit glücklicher? Geht es uns dadurch besser als zuvor? Steigt unsere Lebensqualität? Was macht uns eigentlich glücklich? Und ist es erstrebenswert, soviel Geld wie möglich anzuhäufen? Warum können wir nicht glücklich sein, mit dem was wir bereits haben?

 

Schon vor einer ganzen Weile habe ich für mich persönlich festgestellt, dass Geld, teure Klamotten und Sonstiges mich nicht glücklicher und nicht gesünder machen oder mir mehr Lebensqualität verschaffen. Ich will nicht leugnen, dass ich mir gerne ein paar flippige Sneakers oder Bücher kaufe. Oder dass ich eine beträchtliche Summe für Nahrungsmittel ausgebe. Aber das gehört dazu, denn ich esse sehr gerne und achte nebenbei auch auf die Qualität und woher die Erzeugnisse kommen. Also eine gewisse Summe an Geld braucht jeder, um sich all die täglichen und vielleicht auch nicht alltäglichen Dinge leisten zu können.

 

Was ich meine sind die unnötigen Dinge, die uns beschweren und die uns vor allem nicht von Nutzen sind. Wozu brauche ich ein brutal neues Tablet, wenn mein Laptop noch funktioniert. Nur damit ich in der S-Bahn oder sogar im Urlaub immer noch online bin. Wozu brauche ich noch eine Winterjacke, wenn ich schon fünf im Schrank zu hängen habe? Muss man wirklich 45 bis 60 Stunden die Woche arbeiten, um glücklich zu sein und dabei in Kauf nehmen, keine Zeit mehr für sich und die Familie zu haben? … Diese Liste könnte man ewig weiterführen. Natürlich gibt es auf jede Frage auch eine passende Antwort, die die Dinge wieder in ein vermeintlich rechtes Licht rücken.

 

Auch mal abschalten.
Auch mal abschalten.

 

Worauf ich hinaus will, ist aber Folgendes: Zeit, Familie, Freunde und Gesundheit sind Dinge, die man nicht kaufen kann! Diese wichtigen Elemente des Lebens braucht ein Jeder zum (Über-)leben. Sie machen unsere Lebensqualität aus. Manchmal vergessen wir sie einfach und kümmern uns nicht genug um uns und um unsere Umgebung. Doch dann passiert wieder etwas, sei es eine positive wie negative Wende des Schicksals oder ein anderes Lebensereignis, und dann kommen sie wieder zum Vorschein: Zeit, Gesundheit, Familie und Freunde! Das ist es, worauf es ankommt. Ich bin glücklich, wenn ich Zeit mit meinem Mann, mit meiner Familie, mit meinen Freunden verbringen kann. Ich bin glücklich, wenn ich gesund bin, Sport machen und die Natur genießen kann. Dazu brauche ich nicht viel Drumherum!

 

Natürlich ist Arbeit auch wichtig. Und viele müssen leider so hart arbeiten, damit sie sich und ihre Familie über Wasser halten können, weil es keine anderen Möglichkeiten gibt. Arbeit ist auch wichtig, um sein Können und Erlerntes anzuwenden und sich weiterzuentwickeln. Aber genauso wichtig ist es, auf sich und sein Umfeld zu achten. Dazu zählt schon einmal ein Ausflug in die Pilze. Oder der Verzicht auf neue trendige Dinge wie Klamotten oder Technik.

 

Das gilt auch für mich! Beim Ausmisten meines Kleiderschranks habe ich mir überlegt, ein halbes Jahr lang keine Klamotten für mich zu kaufen! Auch keine bunten Sneaker mehr! Erstens, weil ich eigentlich noch viele schöne Sachen habe, die aber meistens unter einem Berg anderer schöner Sachen vergraben liegen. Und zweitens möchte ich mich selbst testen. Mal schauen, ob es funktioniert, denn jetzt ist es offiziell. Und ich verliere ungern.

 

Es gibt zum Thema Verzicht, Achtsamkeit, Arbeit und Geld noch so viel mehr zu sagen. Aber das würde den Rahmen sprengen. Vielleicht gibt es ja einen kleinen Anstoß zum Nachdenken.

 

Ein kleiner Lese-Tipp http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/42202/Nein-danke