Legenden des Berliner Nachtlebens Teil 1 - Der Knaack-Klub

 

Letztens hat mich ein Post auf Facebook aufhorchen lassen: das Knaack kommt zurück! Super, dachte ich bei mir. Wie cool. Endlich wieder ein guter Klub für die Hauptstadt. Doch bei genauerer Betrachtung war der Artikel schon fast zwei Jahre alt - der die Wiedereröffnung des Knaack erst für 2016 angekündigt, allerdings an einem neuen Standort. Nun war ich damals und bin noch bis heute keine wilde Draufgängerin, die sich die Nächte um die Ohren schlägt. Doch früher war das Knaack einer derjenigen Clubs, wo ich meiner Tanzwut das eine oder andere Mal ausgiebig nachgehen  konnte.

 

 

Für alle, die es nicht wissen: das Knaack war früher einmal ein richtig dufter Schuppen zum Konzerte hören, zum Feiern, zum Karaoke singen und vor allem zum Tanzen. Gefeiert wurde in der Greifswalder Straße 224, in einem unsanierten Altbau im Hinterhof. Bereits seit 1952 bestand dieser Ort des Vergnügens, was mir vor meiner Recherche für dieses Blog nicht bewusst war. In den frühen Jahren der DDR wurde in der ehemaligen Schneiderei das Ernst-Knaack-Jugendheim gegründet, benannt nach dem Widerstandskämpfer Ernst Knaack. Wie es in dieser Zeit üblich war, sollten die Jugendlichen mit verschiedenen Freizeitaktivitäten von westlichen Einflüssen fern gehalten werden. Das war ebenso erfolgreich wie die Versuche, jugendliche Hörer mit Ost-Schlagermusik von den Westsendern wegzulocken. Spätestens zu den Weltfestspielen der Jugend und Studenten 1973 wurde aus dem Jugendheim ein Jugendclub mit angeschlossener Diskothek.

 

Nach der Wende blieb sich der Jugendclub treu und machte weiter mit Konzerten und Musik. Über mehrere Etagen erstreckte sich das Knaack nun. Insgesamt vier Bereiche, nein, Floors gab es. Auf einem Floor wurde alles gespielt, was das Tanzherz begehrte - alles von Mainstream über Rock und Pop und Hip-Hop. Dann gab es die etwas dunklere Ecke mit Heavy Metall, Grunge und etwas düsteren Gesängen. Auf dem Konzert-Floor fanden nicht nur regelmäßig Record-Release-Partys statt. Gestandene Weltmusiker und kleine Newcomer-Bands gaben sich im Knaack die Klinke in die Hand. Rammstein, Knorkator und andere deutsche Bands fühlten sich hier wie zu Hause.

 


 

Ich kann mich noch sehr gut an die Partys dort erinnern. Vor und noch lange nach dem Abi tanzten wir bis in die frühen Morgenstunden. Die Record-Release-Party von "Absolute Beginner" ist mir noch sehr gut in Erinnerung geblieben. Aber auch sonst standen Karaoke, Hip-Hop-Partys und Mainstream auf unserem Plan. Zu dieser Zeit wurde auch noch überall geraucht: auf der Tanzfläche, im Treppenhaus, auf den Toiletten und einfach überall!

 

Da schwelgt man so in Erinnerung und wünscht sich die guten alten Zeiten herbei, dabei ist es längst aus. Erstens kommen die vermeintlich guten alten Zeiten niemals zurück, sondern bleiben wunderschöne Erinnerungen. Und zweitens kam 2010 das endgültige Aus für den Knaack-Klub, nachdem wiederholt Beschwerden der Anwohner wegen nächtlicher Ruhestörung für Unmut sorgten. Aufgrund mangelnder Lärmschutzmaßnahmen eines angrenzenden Wohnhauses, eines Fehler des Bauamtes, und trotz vieler Um- und Einbauten Seitens des Knaacks, mussten die Betreiber das Knaack an traditioneller Stelle aufgeben. Da kommt auch die Frage hoch, warum man unbedingt in angesagte Viertel ziehen muss, um sich später dann darüber zu beschweren, dass die Clubs und Bars und deren Gäste zu laut sind. Erst in einen angesagten Kiez ziehen wollen und dann nicht mit den Konsequenzen leben wollen. Genau das macht lebendige Bezirke kaputt und verändert die vorher so geliebte Szene! Wenn man sich für einen Kiez entscheidet, sollte man auch alle Vor- und Nachteile mit einberechnen!

 


 

Nun ist es also sehr, sehr viel leiser in der Greifswalder Straße 224 geworden. Das Haus wird gerade saniert. Ein Baugerüst mit weißen Planen kann die blanken Backsteine nicht ganz verbergen. Der dunkelrote Anstrich blitzt hier und da noch durch. Auf dem Tor zum Innenhof kann man noch die letzten Spuren des Knaacks erkennen, in großen bunten Buchstaben. Zwischenzeitlich feierte das Knaack ein kleines Comeback mit einem Sommerfest im August 2013 im Mauerpark.

 

Um auf den Post noch einmal zurück zu kommen: es ist geplant, das Knaack als „Knaack-Kulturhaus“ am Mauerpark wieder zu eröffnen. Nächstes Jahr, 2016, soll es soweit sein. Diesmal aber an neuer Stelle. An der Wendeschleife der M10 am Mauerpark soll der neue Standort sein. Bisher hab ich dort noch kein Baugerät erspähen können, doch darf man gespannt sein und bleiben! Für die Club-Kultur wäre es auf jeden Fall ein Zugewinn, wenn die Betreiber des Clubs sich an alten Mustern orientieren würden. Und für die "Party-Tram" M10 ebenso, würde diese doch dann tatsächlich Feierwütige von Party zu Party, vom F-Hain, durch P-Berg und Wedding nach Mitte kutschieren. Was will man mehr als feierwütiger Berliner und Berlin-Besucher! Vielleicht sehen wir uns 2016 bei der Neu- und Wiedereröffnung des Knaack, denn...

 

...alte Liebe rostet nicht!