10 Reisetipps für Andalusien

Eine Reise muss nicht immer genau geplant sein. Man kann auch mal ganz spontan wegfahren. So haben wir es gemacht. Kurz geguckt, wo wesentlich mehr Sonne scheint als im grauen Deutschland und drei Tage später abgeflogen. Ziel: Andalusien, denn dort herrscht Anfang März wunderbares Wetter mit Temperaturen um die 20 Grad, reichlich Sonnenschein und einem lauen Lüftchen. Der erste Vorgeschmack auf den kommenden Frühling konnte also kommen.  Natürlich haben wir nicht nur auf der faulen Haut herum gelegen, das wäre ein wenig langweilig gewesen. Auf einer gut 3000 km langen Wegstrecke, vorrangig im Osten und Süden Andalusiens, haben wir dann auch so einiges erlebt. Aus den vielen spannenden Erlebnissen habe ich 10 Stationen rausgesucht, die ich Euch nicht vorenthalten möchte und die locker mit einem Mietwagen oder sogar mit ´nem Camper erreichbar sind. Auf gehts!

 

Noch ein Wort zur Reihenfolge, die ist nämlich nicht nach Prioritäten geordnet, sondern alphabetisch. Ganz einfach!

 

1. Alhambra   

Auch wenn an allen Tagen des Jahres hier immer viel los ist, aber die „Rote Burg“ auf dem Sabikah-Hügel in Granada muss einfach auf dem Reiseplan stehen. Die Alhambra ist nicht nur eines der beliebtesten Touristenziele Europas, sondern in erster Linie ein herausragendes Beispiel maurischer bzw. arabischer Baukunst. Tickets sollte man schon im Voraus via Internet oder einfach und unkompliziert an Automaten der spanischen CaixaBank buchen.

 

Die Alhambra und ihre Gebäude sind ein lebendiges Stück Geschichte. Der Hügel wurde schon zu vorrömischer Zeit bewohnt und nach der Eroberung Andalusiens durch die Mauren entgültig zur Festung ausgebaut. Den Höhepunkt der Bautätigkeiten erlebte die Rote Burg durch den ersten Nasridenherrscher Mohammed I. mit dem Bau des Palastes und der Alcazaba (Zitadelle) im frühen 13. Jahrhundert. Die Reconquista, die Rückeroberung der iberischen Halbinsel durch die katholischen Könige, führte letztendlich zur Kapitulation der Nasriden-Herrscher 1492, zur spanischen Übernahme Granadas sowie zur Vertreibung von Muslimen und Juden. Danach wurde die Alhambra stetig weiter umgebaut. So hinterließ jede Generation an Herrschern seinen eigenen Stempel, auch auf Kosten der Vorgängerbauten.

 

Viele weitere Bilder von der Alhambra gibt es in der Galerie Alhambra.


 

2. Córdoba und die Mezquita

Die Mezquita-Catedral de Córdoba, wie sie offiziell heißt, ist neben dem jüdischen Viertel eine der touristischen Hauptattraktionen Cordobas. Sie hat im Laufe der Zeit eine ähnlich bewegte Geschichte wie die Alhambra erfahren -  zahlreiche bauliche Veränderungen sind Zeugen dieser turbulenten Jahrhunderte.

 

Die Mezquita von Córdoba ist eine der größten ehemaligen Moscheebauten der Welt. Bevor sie zu dieser wurde, diente sie bereits zu römischen Zeiten als Tempel. Unter der maurischen Herrschaft entstand im 8. und 9. Jahrhundert ein einzigartiges Zeugnis arabischer Baukunst. Das merkt man schnell, wenn man die Mezquita betritt. Von Außen macht die Moschee eher einen robusten, schnörkellosen Eindruck. Wenn man aber in das Innere der Mezquita vordringt, dann zeigt sich die Moschee in all ihrer Größe und Erhabenheit. Von den filigranen arabischen Inschriften und Verzierungen ist nur noch ein Bruchteil erhalten. An ihrer Stelle sind nach der christlichen Rückeroberung ab 1236 viele prägende Umbauten gemacht worden.

 

Die Judería, (das jüdische Viertel) ist ebenfalls ein Überbleibsel der maurischen Herrschaft, denn unter den Mauren wurde die jüdische Bevölkerung bis auf einzelne Ausnahmen toleriert. Hier kann man eine der wenigen erhaltenen Synagogen Spaniens besuchen.


 

3. Cueva Nerja

Die Höhlen von Nerja sind ein beeindruckendes Wunder der Natur. Normalerweise ist man kleinere Tropfsteinhöhlen gewöhnt, aber die spanische Version sprengt alle Dimensionen, die ich bisher gesehen habe. Hier könnte locker eine Mehrzweck-Turnhalle reinpassen, so wie die Max-Schmellig-Halle!

 

An der Küste im Dorf Maro liegen die Höhlen von Nerja, die in den 1950iger Jahren von drei abenteuerlustigen Jungs entdeckt worden sind. Für neun Euro Eintritt und bewaffnet mit einem Audioguide kann man sich selbst auf Entdeckungsreise machen. Durch einen schmalen Gang betritt man die Höhle und ehe man es sich versieht, steht man in einer riesigen schummrigen Halle, deren Wände aus weichfließenden steinernden Flüssen besteht und die mit Stalaktiten und Stalagmiten von ungeheurem Ausmaß versehen sind. In den Höhlen von Nerja kann man erleben, wozu Mutter Natur fähig ist, wenn man sie für Jahrtausende in Ruhe lässt.


 

4. Die weißen Dörfer

In ganz Andalusien verteilen sich die sogenannten weißen Dörfer, die mit ihren weißgekalkten Häusern ein typisches Bild Spaniens darstellen und die Überbleibsel der maurischen Architektur repräsentieren. Der Spruch „Haste eins gesehen, haste alle gesehen“ bewahrheitet sich nicht. Auf unserer Reise entdeckten wir sowohl weiße Dörfer an der Küste als auch in den Bergen, die alle auf ihre Art und Weise unterschiedlich waren. Manche waren in weniger gutem Zustand, manche gepflegter, fast immer ging es in den schmalen und verwinkelten Gassen steil bergauf oder bergab und wo früher einmal eine Moschee stand, befindet sich nun eine Kirche, meist am zentralen Ort. Bei den meisten Dörfern sind die Spuren der maurischen Handwerker längst verschwunden und doch finden sich oft noch Reste einer Festung oder einem Castillo, der sogenannten Alcazaba.

 

In Salobreña, ein bekanntes weißes Dorf an der Costa Tropical, das sich erhaben an einen Felsen schmiegt, kann man sich herrlich in den engen Gassen verlaufen und hoch hinaus zur Burg klettern. Von dort aus genießt man einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt und das Meer.

 

In der Sierra Nevada, genauer gesagt in den „Las Alpujarras“, kann man gleich mehrere weiße Dörfer nacheinander erobern, egal ob zu Fuß oder motorisiert. Pampaneira, Bubion und Capileira heißen die weißen Dörfer, die entlang einer steilen Gebirgsstraße hinauf in die Berge führen. Hier scheint sich die Welt ein weniger langsamer zu drehen als an der belebten Küste, Ruhe herrscht in den kleinen Gässchen. Ein herrlicher Panoramablick auf die schneebedeckte Sierra Nevada lässt alle Sorgen für einen Moment verstummen.


 

5. Guadix - Höhlenwohnungen und Alcazaba

Wer die Augen offen hält, der kann in ganz Andalusien Höhlenwohnungen finden. Aber in Guadix, einer Stadt in der Provinz Granada, kann man diese Wohnungen und ihre Bewohner live und in echt kennen lernen. Guadix ist eine alte Stadt, die abseits der touristischen Ziele liegt und deswegen ein bisschen verlassen wirkt. Sie hat einen wunderschönen historischen Stadtkern mit einer Kathedrale, einer Alcazaba und vielen hübschen Palästen. Durch kleine, schmale Gassen geht es hinauf in den südlichen Teil der Stadt und ehe man es sich versieht, landet man im Barrio Troglodita, dem Viertel der Höhlenwohnungen. Von einer Aussichtsplattform hat man hier einen herrlichen Blick über die Stadt und die Landschaft. Wir wurden eingeladen, die Wohnung eines netten älteren Mannes zu besichtigen. Mit Erstaunen stellten wir fest, dass die „Höhle“ riesengroß, sehr geräumig eingerichtet und angenehm war. Küche, Bad, mehrere Schlafzimmer, Salon und Esszimmer, alles was die moderne Wohnung so braucht. Wer ganz verrückt ist, der kann in Guadix in einem Hotel nächtigen, welches Höhlenwohnungen luxuriös ausgebaut hat.


 

6. Lacalahorra

Lacalahorra ist ein ebenso verträumtes Nest wie viele andere in Spanien auch. Es hat einen Dorfplatz, eine hübsche Kirche, viele alte kleine Häuschen, darunter auch einige sehr zerfallende. Was das Dorf Lacalahorra aber von den anderen unterscheidet, ist die Festung, die unweit über der Stadt thront. Das Castillo ist schon von Weitem zu sehen und sehr gut erhalten.

 

Die Burg von Lacalahorra wurde im 16. Jahrhundert erbaut, in unmittelbarer Umgebung der Sierra Nevada mit seinen schneebedeckten Bergen. Das Castillo befindet sich heute in privatem Besitz. Mit etwas Glück und viel Ausdauer erhält man sogar eine private Führung. Von Außen sieht die Burg mit seinem roten Felsen und Steinen robust und uneinnehmbar aus. Von Innen strahlt sie mit italienischem Marmor, stuckverzierten Wänden und römischen Kapitellen. Man merkt, dass sowohl ein italienischer als auch ein spanischer Architekt am Werk waren.


 

7. Los Cahorros de Monachil

Monachil ist ein kleines Bergdorf unweit von Granada, der quirligen Stadt mit der Alhambra. Dieses Dorf ist Ausgangspunkt von unzähligen Wanderungen in die Sierra Nevada, für Bergsteiger und Paraglider. Die Wanderung Los Cahorros ist eine familienfreundliche Unternehmung, die durch Schluchten, Canyons, über Stock und Stein führt. Das Passieren enger, wackliger Hängebrücken und das Entlanghangeln an den steilen Felsen, die durch den Rio Monachill im Laufe der Zeit herausgewaschen wurden, sind ein kleines Abenteuer. Besonders im Frühling und Herbst soll dieser Weg spektakulär sein, denn dann blühen zum einen unzählige Blumen sowie Obstbäume und zum anderen kann man Aprikosen, Kirschen und Brombeeren vom Wegesrand naschen. Ganz nebenbei duftet alles nach wilden Kräutern. Wer ganz aufmerksam ist, kann Bergziegen und Böcke an den Klippen herumspringen sehen.


 

8. Mar del Plástico - (K)ein Schauspiel der anderen Natur

Wer in den östlichen Teil Andalusiens reist, der kann seine Augen nicht vor den abermillionen Gewächshäusern verschließen, die sich entlang der Küste bis hinauf in die Berge ziehen. Das kilometerlange Meer aus Plastikhäusern rund um die Stadt Almeria ist der größte und erfolgreichste Wirtschaftsfaktor Andalusiens. Die „Costa del Plástico“ oder das „Mar del Plástico“, wie diese Gegend auch genannt wird,  ist sogar vom Weltraum aus gut erkennbar und sorgt dafür, dass wir Europäer immer frisches Gemüse und Obst in unseren Regalen und auf unseren Tischen zu liegen haben.

 

Hier werden auf 35.000 Hektar, macht nach Adam Riese 35.000 Fußballfelder, 2/3 Drittel des spanischen Obst- und Gemüseexports erzeugt. Wenn man dann noch bedenkt, dass hier extreme Arbeitsbedingungen vorherrschen, der Lohn niedrig ist, an Pestiziden und vor allem an Wasser nicht gespart wird, dann kommt man schon ins Grübeln und es macht nachdenklich, welchen Beitrag wir mit unserem Konsum dazu leisten.

 

9. Stausee und Felsenland bei Negratin

Andalusien ist nun nicht gerade bekannt für seine ständigen Regenergüsse und so sind Staudämme eine ganz praktische Lösung, um ausreichend Wasser für die Wirtschaft und Bevölkerung bereitzustellen sowie nebenbei noch ein wenig Energie zu erzeugen. Der Stausee von Negratin (Embalse de Negratin) ist riesig, entlang des Ufers kann man in Cafés und Restaurants eine kleine Auszeit genießen, Kayak fahren oder auch ins kühle Nass hüpfen. Die Betonung liegt zumindest im Winter auf kühl!

 

In der näheren Umgebung stößt man auf faszinierende Felsenlandschaften, die an die Canyons und Gebirgszüge im wilden Westen der USA erinnern: leuchtend rot und schroff. Außerdem gibt es hier Unmengen an Olivenhainen. Überall sieht man das helle Grün der Olivenbaumblätter. In Reih und Glied stehen hier tausende von Bäumen. Kein Wunder, denn unweit von Negratin öffnet sich das Tor zur weltweit größten Olivenölproduktionsstätte: Jaén, die Welthauptstadt des Olivenöls.


 

10. Versteckte Strände - Parque Natural Cabo de Gata

Es gibt unzählige kleine und geheime Strände an den Küsten Andalusiens. Mal sind sie weniger geheim und Einheimische sowie Touristen ahlen sich hier mal mehr oder weniger bekleidet in der Sonne Spaniens. Der Parque Natural Cabo de Gata und seine versteckten Strände haben allerdings einen nachhaltigen Eindruck auf uns hinterlassen. Der Naturpark östlich von Almeria bei dem Küstenstädtchen San José besteht aus wildem Steppenland, wüstem Gras und einer herrlichen Kakteenlandschaft. Um die Strände zu erreichen, muss man auf einer endlosen Schotterpiste immer dem Meer entgegen fahren und seine Angst vor Kratzern im Lack unterdrücken. Doch ist das Ziel erreicht, entlohnt es für alle Strapazen. Gleich mehrere kiesbedeckte Strände hat man zur Auswahl. Dazu kommen bizarre Felslandschaften aus erstarrten Lavagestein und eine Wanderdüne.


 

Andalusien ist ein interessantes und abwechslungsreiches Reiseland. In dem einen Moment ist man in der Sierra Nevada, fährt Ski und im anderen Moment springt man den Wellen des Mittelmeeres entgegen. Die Distanzen sind kurz und die Straßen sind sehr gut ausgebaut. Die Natur ist mal schroff und abweisend, mal bunt und voller Blütenpracht, reich an Oliven- und Mandelbäumen. Die Kehrseite der Medaille sind der Raubbau und die Ausbeutung von Land und Leuten. Doch gleichzeitig sind die Spanier herzlich und zuvorkommend, auch wenn viele keinen Brocken Englisch sprechen können. Aber auch mit begrenzten Spanisch-Wortschatz kann man sich mit Händen und Füßen verständigen und vieles verstehen. Noch mehr Eindrücke gibt es in der Galerie Andalusien.

 

Auf unserer Reise haben wir vieles gesehen und vieles noch nicht gesehen! Wir kommen wieder ...

 

"si claro!"