Pflanzt du schon?- Urban Gardening in Berlin

Staudensellerie nachgezüchtet
Staudensellerie nachgezüchtet

Der Frühling hat endgültig Einzug gehalten. Die Frühblüher machen die Berliner Straßen und Parks bunt und Laune auf den kommenden Sommer. Die Kirschblüte verzaubert Berlin - ihre rosa gefärbten Blütenbätter verzieren vielerorts die Straßenränder und Pfützen. Zeit, um sich um den Balkon und den Garten zu kümmern. Doch was ist, wenn man weder das eine noch das andere sein Eigen nennen darf? Urban Gardening heißt das Zauberwort, welches schon seit ein paar Jahren erfolgreich praktiziert und gelebt wird.

 

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit Stadtnatur und wie man brachliegende Flächen umgestalten kann. Dabei geht es sowohl um die Gestaltung der eigenen Heimat, um den bewussteren Umgang mit der Natur als auch um Ernährung. Ein Fünkchen Weltverbesserung steckt wohl auch immer dahinter. Ich bin davon begeistert. Letztes Jahr im Sommer sind mir die vielen Beete am Straßenrand aufgefallen, die Anwohner in ihrem Kiez liebevoll bepflanzen und somit dem grauen Beton einen bunten Farbklecks entgegensetzen. Auch an öffentlichen Plätzen werden beim sogenannten Guerilla Gardening Blumen und Nutzpflanzen in aller Heimlichkeit ausgesät.

 

 

Der Prinzessinnengarten ist so etwas wie ein Vorreiter in Sachen urbaner Bewirtschaftung leer stehender Flächen im Berliner Innenstadtbereich. Am Moritzplatz in Kreuzberg gelegen, wurde hier im Sommer 2009 die verwahrloste Fläche einer großen Reinigung unterzogen, der Müll entfernt und heute werden hier über 500 unterschiedliche Gemüse- und Kräutersorten angebaut, mit Unterstützung tausender helfender Hände.

 

Auf dem Tempelhofer Feld wird seit 2011 gegärtnert was das Zeug hält. Das Allmende-Kontor, die Anlaufstelle für Berliner Gemeinschaftsgärten legte damals 10 Beete an, die bis heute auf 250 Beete angewachsen sind. Mehr als 500 begeisterte Helferinnen und Helfer sorgen für den Anbau allerhand leckerer Gemüsesorten, Kräuter und Blumen. Im Kopf ist mir ein großer Basketballschuh geblieben, der als Blumenhalter herhalten musste. Upcyling und Urban Gardening in einem!

 

Schuhe sind nicht nur zum Laufen da!
Schuhe sind nicht nur zum Laufen da!
nach dem Essen und vor der Wiederverwendung
nach dem Essen und vor der Wiederverwendung
Auswaschen, buntes Klebeband rum und schon sind die neuen Blumentöpfe fertig
Auswaschen, buntes Klebeband rum und schon sind die neuen Blumentöpfe fertig

 

Die Gemeinde der städtischen Gärtner ist groß. Im großen WorldWideWeb findet man unter dem Stichwort Urban Gardening viel Wissenswertes, trifft auf verschiedene Organisationen und Projekte. Ich bin bei meiner Recherche auf stadtacker.net - Urbane Landwirtschaft im Netz gestoßen. Hier kann man sich vernetzen, Hilfe suchen in allen Fragen der Gärtnerei und vor allem Projekte in der Nähe finden. Einfach das Suchfeld ausfüllen und auf die Gartengemeinschaft in seiner Nähe klicken, um weitere Infos zu erhalten.

 

All den vielen Initiativen ist zu Eigen, dass sie sich nicht nur für de Begrünung der Stadt einsetzen, sondern auch soziale Projekte verwirklichen. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Nachbarn, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, ehrenamtliche Helfer, Experten und Laien kommen zusammen, um zu gärtnern, zu imkern, ins Gespräch zu kommen und Berlin ein wenig grüner zu machen. Außerdem lernen alle etwas über soziale und ökologische Landwirtschaft sowie über lokale und regionale Lebensmittel. Die meisten Gemeinschaften haben es sich auch zum Ziel gesetzt, Bildungs- und Beteiligungsangebote zu ermöglichen.

 

Ich kenne zwar keine Studie über den positiven Effekt all dieser freiwilligen und ehrenamtlichen Maßnahmen, aber gefühlt muss es positive Auswirkungen auf Berlins Mikroklima haben. Außerdem bieten die vielen kleinen Gärten, Plätze und Beete Bienen, Hummeln und anderen Insekten Nahrungsgrundlage und Wohnorte. Wie wir alle wissen, sind die Bienen und ihre Bestäubungsarbeit die Grundlage unserer Ernährung mit frischem Obst und Gemüse.

 


 

Ich habe das Glück, einen kleinen aber feinen Balkon mein Eigen nennen zu dürfen. Naja, ich muss ihn mit meinem Mann teilen. Aber wie (manche) Männer so sind, darf ich in diesem Revier machen was ich will.

 

Unser Balkon wird am Morgen für genau 20 Minuten von der Sonne erhellt, um sich für den Rest des Tages im Schatten zu verstecken. Nach etlichen Versuchen, Gemüse und Pflanzen auf den Balkon zu ziehen, die auch im Schatten wachsen, habe ich mich für eine Tomaten- und eine Gurkenpflanze entschieden. Damit hatte ich vor zwei Jahren sehr viel Erfolg - die Ernte war lecker. Möhrchen will ich auch wieder probieren, obwohl es letztes Jahr nicht klappen wollte. Außerdem kommt noch Kapuzinerkresse zum Einsatz. Die funktioniert immer, ist pflegeleicht und schmeckt von Blüte bis Blatt und Stiel wunderbar scharf. Ein paar Blümchen für die Bienen und Hummeln haben auch noch Platz.

 

der Salat wuchert
der Salat wuchert

 

So wird es wieder ein buntes Potpourri auf dem Balkon geben. Diesmal habe ich ein paar Ideen aus dem Internet abgeschaut. Die Scherben eines zerbrochenen Pflanzenkübels dienen nun zur Lockerung der Erde in den Kästen und Töpfen, leere Dosen habe ich aufgehübscht und nun beherbergen sie Pflanzen und Blumen. Daumen drücken, dass sie auf dem Balkon die Eisheiligen überstehen, denn daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Eine Bauernregel sagt, dass es in der Woche der Eisheiligen noch einmal richtig kalt werden kann. Deswegen sollte man erst danach Setzlinge und alle anderen Pflanzen nach draußen verpflanzen. Dieses Jahr fallen die Eisheiligen übrigens auf die Woche vom 11. bis 15. Mai. Mal schauen!

 

Basketbälle können auch wunderbare Platzhalter für Blümchen sein
Basketbälle können auch wunderbare Platzhalter für Blümchen sein
Rosmarin, Blattsalat und eine Tomate in einem Kasten
Rosmarin, Blattsalat und eine Tomate in einem Kasten