14. European Maccabi Games 2015

Die Freiluft-Ausstellung "Jüdische Stars im deutschen Sport" am Hauptbahnhof anlässlich der 14. European Maccabi Games
Die Freiluft-Ausstellung "Jüdische Stars im deutschen Sport" am Hauptbahnhof anlässlich der 14. European Maccabi Games

 

Als ich letzte Woche vom Kurfürsten Damm zum Alexanderplatz fuhr, nahm ich zur Abwechslung mal wieder den 100er Bus der BVG. Neben all den schönen Berliner Sehenswürdigkeiten, die man unterwegs zu sehen bekommt, konnte ich auch dem recht bunten Sprachmix der ein- und aussteigenden Touristen lauschen.

 

Unter anderem unterhielten sich zwei junge Frauen auf Hebräisch, wo sie denn nun genau hinwollen und wie sie da am besten hingelangen würden. Warum ich das so genau weiß? Zum einem hatte ich vier Semester Hebräisch-Unterricht an der Uni. Da bleibt dann doch noch das eine oder andere Wort hängen. Zum anderen hatten die beiden Mädels ein Wirrwarr an Zetteln dabei, die alle hebräische Schriftzeichen enthielten. Da ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, dass Berlin zur Zeit mal wieder Austragungsort sportlicher Höchstleistungen ist: die 14. European Maccabi Games hatten begonnen und bis 05. August kämpfen die jüdischen Athletinnen und Athleten noch um die Medaillen.

 

Die Fechterin Helene Mayer
Die Fechterin Helene Mayer
Informationstext zur Fechterin Helene Mayer
Informationstext zur Fechterin Helene Mayer

 

Wer sich jetzt fragt, was das ist, ob das sein muss und wieso ausgerechnet Berlin, dem will ich ein paar nützliche und wissenswerte Fakten liefern. Zumal ich mich in meiner Abschluss-Arbeit an der Uni mit dem jüdischer Sport in Berlin befasst habe und mich jetzt wieder erinnere, wie vielfältig und interessant das Thema war und heute noch ist.

 

Los geht’s!

 

Basketballurgestein und gebürtiger Berliner Ralph Klein
Basketballurgestein und gebürtiger Berliner Ralph Klein

 

12 Fakten zu den 14. European Maccabi Games (EMG)

 

1. Die European Maccabi Games (kurz EMG) ist eine jüdische Sportveranstaltung, die alle vier Jahre in Europa stattfindet und zu der jüdische Sportlerinnen und Sportler eingeladen werden. Es ist zugleich auch ein riesiges Fest sowohl für Menschen jüdischen Glaubens als auch für konfessionslose Interessierte, ein Event, um sich zu treffen, sich kennen zu lernen und neue Kontakte zu knüpfen.

 

2.  Es ist das erste Mal, dass die größte jüdische Sportveranstaltung Europas in Berlin und damit in Deutschland stattfindet.

 

3.  In diesem Jahr wurde auch schon das 50-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zelebriert. Besonders im Deutschlandradio gab es dazu einen ausführlichen Themenschwerpunkt, den man sich auch immer noch anhören kann.

 

Die Gebrüder Flatow
Die Gebrüder Flatow
Olympiasieger und Vorzeigesportler
Olympiasieger und Vorzeigesportler

 

4. Natürlich hat es auch eine historische Bedeutung, dass Berlin als Austragungsort der 14. European Maccabi Games ausgewählt worden ist: 1921 wurde die Makkabi-Bewegung auf dem Zionistenkongress in Karlsbad gegründet und Berlin war Sitz der Verbandszentrale. Von hier aus breitete sich die jüdische Sportbewegung allmählich in der ganzen Welt aus.

 

5. 1898 wurde in Berlin der erste jüdische Sportverein unter dem Namen „BAR KOCHBA“ auf deutschem Boden gegründet. Zuvor hatten Sportler in Konstantinopel bereits 1895 einen jüdischen Sportverein ausgerufen. Die Gründungen gingen einher mit der Sehnsucht nach Erneuerung und Veränderung sowie mit der Auseinandersetzung der Emanzipation und Assimilation des deutschen Judentums im 19. und 20. Jahrhundert. Die jüdische Bevölkerung organisierte sich aber nicht nur in konfessionell ausgerichteten Vereinen, sondern waren auch Mitglieder in so großen Sportvereinen wie dem Berliner SC oder dem SCC und vielen mehr.

 

Olympiasigerin und Patin der European Maccabi Games 2015 Sarah Poewe
Olympiasigerin und Patin der European Maccabi Games 2015 Sarah Poewe

 

6.  Die Namen "Bar Kochba" und "Makkabi" gehen auf die bürgerliche Antikenverehrung des späten 19. Jahrhunderts zurück. Dabei wählten die jüdischen Turner antike Helden ihrer Vergangenheit, mit denen sie Kraft, militärisches Heldentum und Stärke aufzeigten. "Bar Kochba" (eigentlich Simon Bar Kosiba) zum Beispiel war der Anführer des zweiten jüdisches Aufstandes gegen die römische Vorherrschaft im antiken Palästina in den Jahren 132 bis 135 n. Chr. Auch das Wort "Makkabi" hat einen solch kämpferischen und historischen Hintergrund: Es stammt vom Priestergeschlecht der Makkabäer (hebräisch Makkabim) ab, die sich 168 bis 164 v. Chr. erfolgreich gegen König Antiochus IV. durchsetzten und sich daraufhin als Königs- und Herrschergeschlecht etablierten. (siehe Lesetipp)

 

7. Bei den diesjährigen Spielen werden über 2000 jüdische Sportlerinnen und Sportler in 19 Sportarten gegeneinander antreten und um Medaillen kämpfen. Die TeilnehmerInnen kommen aus 36 Ländern dieser Welt.

 

Lilli Henoch
Lilli Henoch
Nelly Neppenbach
Nelly Neppenbach


8. Angetreten wird in folgenden Sportarten: Badminton, Basketball, Bridge, Dressurreiten, Fechten, Feldhockey, Fußball, Futsal, Golf, Halbmarathon, Schach, Schwimmen, Squash, Tennis, Ten Pin Bowling, Tischtennis, Triathlon, Volleyball und Wasserball.

 

9. Alles Koscher! Natürlich stehen die sportlichen Wettkämpfe auch in Einklang mit den jüdischen Religionsgesetzen. Für die AthletInnen wird daher koscheres Essen bereit gestellt, das heißt, dass nur Lebensmittel zubereitet werden, die nach den jüdischen Religionsgesetzen erlaubt sind. Für die Ausrichter und das Hotel Estrel bedeutet dies einen hohen Organisationsaufwand. Die Hotelküchen mussten erst gereinigt, dann von Rabbinern gekaschert (koscher oder rein gemacht) und für ein paar Tage versiegelt werden, bevor die Küchen in Betrieb gehen konnten. Auch der Shabbat wurde natürlich eingehalten. Egal ob orthodox oder nicht, für jeden EMG-Teilnehmer war von Freitag Abend bis Samstag Ruhetag. (Mehr über den Shabbat und das koschere Essen könnt ihr hier nachhören.)

 

"Zwischen Erfolg und Verfolgung" Jüdische Stars im deutschen Sport  bis 1933 und danach
"Zwischen Erfolg und Verfolgung" Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach

 

10. Trotz prominenter Paten und Unterstützer wie Fußballweltmeister Jérôme Boateng, die Schwimmerin und Olympia-Medaillen-Gewinnerin Sarah Poewe, Basketball-Urgestein Pascal Roller sowie die Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck und trotz historischer Bedeutung haben sich kaum Sponsoren aus der deutschen Industrie und Wirtschaft finden lassen.

 

11.  Besondere Highlights sind die "Lets play together"-Events. Am vergangenden Sonntag kickte eine DFB-Auswahl, bestehend aus ehemaligen Spielern der deutschen Equipe, gegen eine Auswahl an Makkabi-Spielern eine Runde im Olympiapark. Weiteres Highlight ist das Freundschaftsspiel der Basketballer in der Sporthalle Charlottenburg am 03. August um 19 Uhr. Die Makkabi-Auswahl trifft dabei auf eine bunt zusammen gewürfelte Mannschaft aus Spielern des Maccabi „Electra“ Tel Aviv Basketballclubs und Alba Berlin.

 

Fußballstar Julius Hirsch
Fußballstar Julius Hirsch

 

Das heutige Basketballspiel kann ich jeden nur wämrstens ans Herz legen, trotz heißen Temperaturen. Und wer aufmerksam durch Berlin spaziert oder mit den öffentlich Verkehrsmitteln unterwegs ist, der sieht neben den unendlich vielen Berlin-Touristen viele fröhliche, junge Menschen, die sich in fremden Sprachen unterhalten, eine gute Zeit in Berlin verleben und dabei sportliche Höchstleistungen vollbringen! Ich bin begeistert von diesem Event und glaube, dass es Berlin sehr gut tut, erst recht nach der Absage der Austragung der Olympischen Spiele!  So...

 

                                                           ....lets play together!

 

 

Lesetipp:

Wer Lust auf mehr jüdischen Sport hat, dem lege ich das Buch "Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933" von Berno Bahro| Jutta Braun| Hans Joachim Teichler (Hg) sehr ans Herz.

 

Die Ausstellung "Zwischen Erfolg und Verfolgung" ist noch bis zum 16. August auf dem Washingtonplatz am Berliner Hauptbahnhof zu sehen, bei freiem Eintritt. Die gleichnamige Webseite bietet noch viel mehr Informationen und Wissenswertes zum jüdischen Sport.