Jedermann kann helfen

Letzte Woche kam es in meinem digitalen, sozialen Umfeld zu einer Welle unmittelbarer Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo), die unter prekären Umständen ausharren müssen. Sie warten auf Asylanträge, auf eine Unterbringung in Notunterkünften - und das alles bei mangelnden hygienischen Zuständen, brütender Hitze und katastrophaler Versorgungslage. Seit vergangenen Dienstag sind durch den Aufruf einer einzelnen privaten Person (Stand Dienstagnachmittag) über 5000 Euro zusammen gekommen. Das ist eine enorme Spendensumme in extrem kurzer Zeit!

 

Ich glaube, wir haben alle, mich eingeschlossen, nur darauf gewartet, dass endlich mal jemand den Anfang macht. Schon lange hatte man dies und das über die Versorgungslage auf dem Gelände des LAGeSo in den verschiedenen  Netzwerken gelesen und gehört. Doch so richtig reagiert haben nur wenige. Da kam der Aufruf via Facebook einschließlich des Videos von der Berliner Morgenpost gerade recht. Auf einmal war es ganz einfach. Mit ein paar Likes, Mausklicks und noch ein paar netten Worten hatte man sich an einer tollen Aktion beteiligt und ein paar Karma-Punkte gesammelt. Schöne neue digitale Welt.

vollgepacktes Einkaufsband
vollgepacktes Einkaufsband
vollgepacktes Einkaufsband die Zweite
vollgepacktes Einkaufsband die Zweite

Hilfe vor Ort
Hilfe vor Ort


Aber ganz so einfach war es dann doch nicht. Erst als ein mir vertrautes Gesicht mich auf den Ernst der Lage aufmerksam machte, habe ich endlich reagiert und es hat mich an meinem schlechten Gewissen gepackt. Marco Bulla heißt der gute Mann, der diesen großen Stein ins Rollen gebracht hat. Nach einer Woche konnten schon unglaubliche 5.290,50 Euro als Spenden eingesammelt werden. Zusammen mit anderen aktiven und ehemaligen Basketballern wurden von diesem Geld seit Mittwoch Lebensmittel, Hygieneartikel, Schuhe und passende Kleidung sowie Telefonkarten, diverse Gutscheine eingekauft und an das Orgateam von "Moabit hilft" übergeben. Auch kleine Summen als Soforthilfe wurden täglich vor Ort zur Verfügung gestellt.

 

Zu Beginn hätte keiner von uns gedacht, dass diese Aktion so erfolgreich sein würde. Aber es ist schön zu sehen, dass trotz einiger ablehnender Haltungen die Mehrheit für eine schnelle, sofortige Hilfe gegen die katastrophalen Missstände einsteht und denjenigen helfen möchte, die ein wesentlich größeres Paket zu tragen haben als wir. Kinder, deren Kindheit im Krieg gestohlen worden ist, die kleine Soldaten sind. Erwachsene, deren Kinder noch immer in der kriegsgebeutelten Heimat sind und Familien, die nichts haben, außer den Kleidern, die sie am Leib tragen. Familien, die hoffen, dass der Krieg und Ausnahmezustand in ihrer Heimat ein baldiges Ende finden wird, um wieder zurückzukehren und das Land neu aufzubauen.

Marco notiert felißiger den Zählerstand
Marco notiert felißiger den Zählerstand
fertig zur Abholung
fertig zur Abholung

zwei Zelte für mehrere hunderte Flüchtlinge...
zwei Zelte für mehrere hunderte Flüchtlinge...

 

Einige werden vielleicht denken, dass es auch in Deutschland Bevölkerungsgruppen gibt, denen es nicht gut geht. Oft ist die Rede von arbeitslosen Jugendlichen, kinderreichen Familien, Obdachlosen und so weiter. Doch ich bin da anderer Meinung. Wir haben in Deutschland ein so gutes Sozialsystem, dass niemand unbedingt aus dem Raster fallen muss. In den meisten Fällen ist es ein selbstgewählter Zustand! Zudem gibt es viele Hilfsorganisationen und Lobbys, die sich genau dieser Problematiken annehmen. Es ist wichtig, die kurzfristige Flüchtlingshilfe außerhalb dieser Themen zu betrachten, denn so richtig vergleichen lässt sich ein Opfer des ungewollten Krieges nicht mit anderen Beispielen hierzulande. Denn die unfassbaren Zustände in den Kriegsgebieten können und wollen wir uns vielleicht auch nicht vorstellen. Wie es in einem syrischen Flüchtlingscamp aussieht, dass zeigte letzte Woche der halbstündige Film des jungen Dokumentarfilmers Hubertus Koch "Syrien - ein schwarzes Loch", ausgestrahlt im WDR. Hass und vor allem Neid sind bei diesen Bildern fehl am Platz. Zudem erzählt uns unsere eigene Geschichte, dass auch wir, unsere Eltern und Großeltern einmal auf Hilfe von außen angewiesen waren und diese auch bekommen haben, z.B. im Rahmen des Marshallplans nach dem Zweiten Weltkrieg. Wer da noch ein bisschen Nachhilfe braucht, der kann sich auf den Seiten vom LEMO (Lebendiges Museum Online, eine Initiative der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik) informieren.

 

die fleißigen Helfern auf dem Weg zur Verteilung
die fleißigen Helfern auf dem Weg zur Verteilung
im Gespräch mit dem Orga-Team von Moabit hilft
im Gespräch mit dem Orga-Team von Moabit hilft


Bis Morgen (Mittwoch, 19. August 2015) kann noch fleißig bei Marco gespendet werden, der das Geld dann wieder in Kleidung, Decken, Lebensmittel und andere benötigte Alltagsdinge investiert und dem Verein "Moabit Hilft" übergeben wird. Täglich gibt es Updates und viele Fotos, damit auch jeder weiß, wie seine Spende zum Einsatz gekommen ist!

 

Auch ein kleiner Beitrag kann Großes bewirken!