La Palma - La Isla bonita

Okay, also eigentlich wollte ich keine große Sache aus unserem spontanen Ausflug in den Sommer nach La Palma machen. Allerdings hat es uns so gut gefallen, dass ich sehr gerne für einen kleinen Bericht in die Tasten hauen möchte. Die Bilder sprechen sowieso für sich, dann kann ich mich auch kurz fassen!

 

Um es vorwegzunehmen, auf La Palma herrscht zwar eine hohe Dichte an deutschen Touristen, aber die Insel ist bisher vom Massentourismus verschont geblieben. Das merkt man schon allein an der Verteilung der Ferienunterkünfte. Je mehr man sich dem Nordwesten nähert, umso ruhiger wird es. Dort gibt es nur kleine Gemeinden und Dörfer. Bettenburgen oder große Ferienanlagen sucht man hier zum Glück vergeblich. Dafür findet man hier einsam gelegende Fincas, ursprüngliche Natur, Felsen, Höhlen und vor allem seine Ruhe vom Lärm der Großstadt. Das Highlight für Hobby-Astronomen: sternenklare Nächte mit einer wunderbaren Milchstrasse, die man so in Deutschland nicht zu sehen bekommt. Sternschnuppen inklusive.

 

Sonnenuntergang auf La Palma
Sonnenuntergang auf La Palma
perfekte Bedingungen für Sternenfotografie und die Entdeckung des Lagunennebels (M8) oder des Trifidnebels (M20)
perfekte Bedingungen für Sternenfotografie und die Entdeckung des Lagunennebels (M8) oder des Trifidnebels (M20)

Eine Insel mit vielen Gesichtern

 

La Palma hat so ziemlich alles, was das Urlauberherz begehrt. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und bietet vor allem Wanderern und Individualtouristen eine wohlige Herberge mit ausreichend Pfaden zum Erklimmen steiler Berge und Durchqueren tiefer Schluchten. Ganz nebenbei kann man eine einzigartige und vielfältige Flora und Fauna bestaunen. Das liegt vor allem am Klima. Bei beständigen Temperaturen um die 20 Grad, im Sommer mal sehr viel mehr und im Winter mal ein bißchen weniger, haben die Pflanzen hier ideale Bedingungen zum Blühen und Gedeihen. Kakteen in allen erdenklichen Formen, Lorbeerwälder, gigantische Drachenbäume, Ginsterbüsche, wilde Blumen, deren Namen ich nicht kenne und viele, viele weitere Pflanzen lassen die Insel das ganz Jahr über herrlich grün erscheinen.

 

Lorbeerwald im Parque Cultural de la Zarza
Lorbeerwald im Parque Cultural de la Zarza
kleine Inselbewohner
kleine Inselbewohner
Blütenpracht
Blütenpracht

Im Gegensatz zu anderen kanarischen Inseln wechselt man auf La Palma innerhalb weniger Autokilometer von einer Vegetationszone in die andere. Im Nordosten sind wir durch ein Tal gewandert, das schon fast wie ein tropischer Regenwald anmutete, im äußersten Südwesten spürt und sieht man die Reste des letzten Vulkansausbruchs des Teneguia von 1971 und im Nordwesten ragen steile Klippen und schroffe Felsen aus dem Meer empor, verziert mit Gräsern und vielen, vielen Kakteen. Etwas weiter in der Mitte der Insel befinden sich märchenhafte Lorbeer- und Pinienwälder. Wolken durchziehen die Bäume - dementsprechend viel Regenwasser bleibt an den Blättern und Nadeln hängen. Dadurch tragen vor allem die Pinienwälder einen erheblichen Anteil zur Wasserversorgung der Insel bei. Den bekanntesten Lorbeerwald findet man bei San Andrés y Los Sauces, den Los Tilos. Allerdings waren wir in unseren näheren Umgebung im Parque Cultural de la Zarza unterwegs. Hier gibt es einen kleinen beschrifteten Lehrpfad durch den Lorbeerwald und die Chance, alte Höhlenmalerein der Ureinwohner La Palmas zu entdecken.

 

die Kaldera des erloschenen Vulkans San Antonio
die Kaldera des erloschenen Vulkans San Antonio

Am südlichsten Zipfel befinden sich nicht nur zwei noch aktive Vulkane, der Volcán de Teneguia und der Volcán de San Antonio, sondern auch die Salzfelder von La Palma, die Salinas de Fuencaliente, und zwei Leuchttürme. Hier kann man sich ein gutes Bild machen, wie es auf dem Mond wohl aussehen könnte: schwarze Gesteinsbrocken, erkaltete Lavaströme und scharfkantige Felsen prägen das Gesicht der Landschaft. Mittendrin sind die Salzfelder, die man auf einem kleinen Spaziergang erkunden kann. Zahlreiche Abbildungen am Wegesrand klären über den örtlichen Salzanbau auf und lösen endlich das Geheimnis, warum Flamingos ein rosa bis rötliches Federkleid tragen (wegen der Algen der Gattung Dunaliella).

 

die Salzfelder von La Palma im Süden der Insel
die Salzfelder von La Palma im Süden der Insel

Apropos Wasser, das gibt es auf einer Insel natürlich auch. Es gibt versteckte Strände, wie den Strand bei Santo Domingo und bei Callejoncita, die nur mit einem mühsamen, steilen Abstieg zu erreichen sind. Dieser lohnt sich aber,  denn ein Bad im blauen Atlantik winkt. Wir hatten ausgeprochenes Glück, denn das Wasser war herrlich warm und die Wellen waren ungewohnt ruhig. An normalen Tagen tobt der Atlantik und die Strömungen sind so stark, dass es extrem gefährlich ist, im Wasser zu schwimmen. Einheimische laufen die Wege übrigens mit Flipflops herunter.

 

der Strand von Callejoncita
der Strand von Callejoncita

Vulkane und Sterne bis zum Abwinken

 

Der größte Vulkan auf der Insel ist der Roque de los Muchachos mit 2426 Metern über NN - er hat uns magisch angezogen. Insgesamt dreimal besuchten wir die luftigen Höhen des Roque. Einmal zum Antesten, das zweite Mal als es im Osten wie üblich eine Schlechtwetterfront gab, inklusive Regen und Kälte, und das dritte Mal zu einer Führung auf dem Astronomiepark samt Besichtigung des größten Teleskops auf der Welt (in Chile wird gerade an einem noch größeren gebaut). Es sind aber auch perfekte Lichtverhältnisse oben auf dem Berg. Eigentlich eher perfekte Dunkelheit, die kaum von Streulicht der Städten durchbrochen wird und damit einzigartige Bedingungen für Sternbeobachtungen liefern. So sehen die Wissenschaftler bis tief in die hintersten Ecken ferner Galaxien und können uns die Entstehung der Welt erklären. So oder so ähnlich hat es unser englischsprachiger Guide erzählt, der seinen Job sehr gut gemacht hat. Im Wechsel von Englisch und Spanisch erklärte er uns allerhand interessante Dinge über die vielen verschiedenen Teleskope auf dem Areal, unter anderem dass auch das deutsche Max-Planck-Institut hier forscht und den Nachthimmel beobachtet.

 

die Kaldera des Roque de los Muchachos
die Kaldera des Roque de los Muchachos
verdörrte Ginsterbüsche am Roque
verdörrte Ginsterbüsche am Roque

Die Caldera des Roque de los Muchachos ist schon vor abermillionen Jahren eingestürzt. Wasser und Erosion haben bis heute eine einzigartige und wunderschöne Landschaft erschaffen. Rund um den Roque gehen diverse Wanderwege ab, auf denen man zu den Dörfern und Städten der Insel gelangt. Allerdings immer nur one way. Einzelne Abschnitte sind wir auch gelaufen, mit den Wanderstöckern, die ich bereits vor anderthalb Jahren besorgt habe und die auf dieser Reise endlich zum Einsatz kommen. Außerdem kann man auch sehr schön im Parque National de Cumbre Vieja wandern. Leider hatten wir kein großes Glück mit dem Wetter: Nebel und Regen waren unsere ständigen Begleiter beim Besuch des Nationalparks und wandern in den Wolken macht nicht ganz so viel Spaß wie bei Sonnenschein. Aber damit muss man auf der Insel rechnen, denn an den Hängen der Vulkane bleiben die Wolken stecken, nieseln ein bißchen vor sich hin und lösen sich dann auf. Hierbei kann man aber das einzigartig Phänomen der Wolkenwasserfälle beobachten, ein wirklich schönes Naturschauspiel.

 

Wolken wandern am Rand des Roque de los Muchachos entlang
Wolken wandern am Rand des Roque de los Muchachos entlang

Regionale Spezialitäten

 

Da wir unsere eigene kleine Finca gemietet hatten, haben wir uns größtenteils selbst versorgt. Das geht auf der Insel übrigens sehr gut und ist erstaunlicherweise sogar auch preiswert. Da hat der Reiseführer nicht so gut recherchiert, denn er warnte vor überteuerten Preisen. Was eigentlich auch logisch ist, bei einer Insel, die viele Lebensmittel einführen muss. Aber frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse, Käse, Brot und ein frisches Stück Fleisch bekommt man auf dem Mercadillo, dem örtlichen kleinen Bauernmarkt, und den Rest in den kleinen Supermärkten in fast jeden Dorf. Wie auch bei uns in Berlin ist der Mercadillo eine feste Institution in den Ortschaften. In einer großen überdachten Markthalle treffen sich alle Bewohner aus der umliegenden Nachbarschaft; zwischen den Einheimischen schlendern auch jede Menge Touristen wie wir rum und viele Aussteiger, die unter anderem ihre Kleinkunst anbieten.

 

schief und krumm - so sehen Möhren in Natura aus
schief und krumm - so sehen Möhren in Natura aus

Überhaupt kann man, wenn man darauf Wert legt, auf La Palma die regionale Wirtschaft unterstützen. Man muss nicht unbedingt die großen, global agierenden Reiseveranstalter nutzen, um sich zum Beispiel einen Mietwagen oder eine Unterkunft zu besorgen. Via Internet lassen sich schöne Fincas finden, die teilweise sogar unter ökologischen Aspekten ausgebaut worden sind. Zudem arbeiten viele ortsansässige Autoverleihstationen mit den Verwaltern der Unterkünfte zusammen.

Ein paar Tage später...

 

...sind wir mittlerweile wieder zurück in good old germany, es ist kalt und der Herbst ist schon weit vorangeschritten. Die Insel war wirklich ein Traum. Man kann hier herrlich entspannen, die Natur genießen und ein paar Abenteuer erleben. Wir haben noch viele weitere schöne Ausflüge gemacht, z.B. die Haupstadt Santa Curz besucht, sind die Westküste entlang gefahren oder haben auf einem Speedboat nach Walen Ausschau gehalten. Wie ihr seht, die Insel bietet wirklich viel Abwechslung! Zwar ist der Flug nicht so preiswert, aber dafür sind die Unterkunft und Verpflegung in einer Urlaubskasse schonenden Preisklasse. Wer also noch einmal einen kurzen Ausflug in den Sommer machen will, der ist auf La Palma, besonders im Nordwesten der Insel, gut aufgehoben!

 

Wir werden bestimmt noch einmal wieder kommen, allein schon wegen des fantatstischen Sternenhimmels. Bis dahin lerne ich jetzt erst einmal Spanisch...

...¡Hasta luego!



Hier geht es zur Bildergalerie La Palma für noch mehr fotografische Eindrücke.


Sonnenuntergang auf dem Roque de los Muchachos
Sonnenuntergang auf dem Roque de los Muchachos