Auf den Spuren der Preussen Teil I - Das Schloss Charlottenburg

 

Warum nicht einmal eine kleine Geschichte der Preussen bzw. der Hohenzollern in mehrere Teilen erzählen, die das Berliner Stadtbild auf so vielfältige Art und Weise geprägt haben? Wobei diese deutsche Dynastie von Kurfürsten, Königen und Kaisern weit über Berlin hinaus einen prägenden Einfluss hatte. Doch Berlin war gefühlt ihre Lieblingsbaustelle. Das dachte ich so bei mir, als ich zum wiederholten Male am Schloss Charlottenburg vorbei fuhr. Es bietet den idealen Start einer kleinen Spurensuche über die Wege der Preussen. Also raus aus der S-Bahn, ab in das Schloss und den dazugehörigen Garten zum Spaziergang.

 

die weithin sichbare Kuppel des Schloss Charlottenburgs
die weithin sichbare Kuppel des Schloss Charlottenburgs

 

Mit diesem Bauwerk im Herzen von Charlottenburg, unweit des S-Bahnhofs Westend und des U-Bahnhofs Richard-Wagner-Platz am Spandauer Damm 20-24, verbindet mich eine zwiespältige Beziehung: zum einen kenne ich diesen Ort preussischer Herrlichkeit von schulischen Wandertagen und Ausstellungsbesuchen. Zum anderen führten durch den Schlossgarten auch ungeliebte Joggingeinheiten zu aktiven Basketballzeiten.


Aber diese Zeiten sind vorbei. Heute kann ich in Ruhe die Anlage der ehemaligen Hohenzollernresidenz genießen. Keiner stoppt die Zeit oder treibt mich an. Ob im Sommer oder im Winter - ein kleiner Ausflug hierher lohnt sich immer. Selbst bei den bisherigen (nicht-)winterlichen Bedingungen lässt sich die Sonne doch ab und zu einmal blicken und lädt zur Mittagspause in den Park ein.

 

der Haupteingang vom Schloss Charlottenburg
der Haupteingang vom Schloss Charlottenburg

 

Lieblingsort der Hohenzollern


Das Schloss Charlottenburg ist groß, größer, bedeutend. Es ist "das" Berliner Bauwerk der Preussen bzw. der Dynastie der Hohenzollern der brandenburgisch-preussischen Seite (Es gibt auch noch eine schwäbische Linie der Hohenzollern. Das war mir vor meinen Recherechen noch nicht bewusst). Kurfürsten, Könige und Kaiser haben hier über sieben Generationen lang gelebt und geherrscht. Dabei ist der ehemaligen Sommerresidenz und dem Garten anzusehen, welch wechselvolle Geschichte sie bisher hinter sich haben. Hier verewigten sich die Hohenzollern, indem sie der jeweils angesagten Stil-Epoche der Architektur Ausdruck verliehen. So erkennt der historisch bewanderte Besucher die Veränderungen an Schloss und Park. Oder er lässt sie sich bei einer Führung näher erläutern.

 

güldene Verzierungen
güldene Verzierungen
das Wappen der Hohenzollern
das Wappen der Hohenzollern

 

Heute gehört das Schloss Charlottenburg zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg  und ist eines der bedeutendsten Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten Berlins. Im prachtvollen barocken Ambiente kann der Besucher hier in feudalen Räumen und Sälen Lust wandeln, die originalgetreu wieder eingerichtet worden sind. Das Schloss beherbergt neben einer Kunstsammlung mit Meisterwerken der verschiedenen Epochen auch das Porzellankabinett. Ebenfalls zum Schloss gehören der Neue Pavillon, das Belvedere sowie das Mausoleum, die sich im Schlossgarten befinden. Im Sommer bietet der Garten die perfekte Kulisse für Picknicks und für das Hörspiel unterm Sternenhimmel. Romantik pur.

 

romantischer geht es kaum - die Brücke im Park mit Blick auf das Schloss Charlottenburg
romantischer geht es kaum - die Brücke im Park mit Blick auf das Schloss Charlottenburg

 

Eine kleine Geschichte des Schlosses


Am Anfang der Geschichte des Schlosses Charlottenburg stand ein Handel. Die spätere Königin Sopie Charlotte von Hannover erhielt 1695 das Dorf Lietze/ Lützow in der Nähe der Spree im Gegenzug zur Herausgabe des Landsitzes Caputh an ihren Ehemann, dem Kurfürsten Friedrich III. Das klingt ein bisschen verworren, aber es klärt sich auf, wenn man weiß, dass das Dorf Lietze/ Lützow genau dort lag, wo sich heute das Schloss befindet.


Im Jahr 1696 begannen an genau dieser Stelle die Arbeiten am Bau der Sommerresidenz von Sophie Charlotte, geplant vom Architekten Johann Arnold Nering. Nach dessen Tod wenige Monate nach Beginn der Bauarbeiten übernahm Martin Grünberg die weiteren Ausführungen des Schlosses. Er war es auch, der die Vorliebe Sophie Charlottes für Opern in einem freistehenden kleinen Opernhaus umsetzte. Nur drei Jahre später im Jahre 1699 konnte Sophie Charlotte bereits in ihre kleine Residenz einziehen. Das Schloss erhielt damals den Namen Lietzenburg, benannt nach dem nahe gelegenen Dorf Lietzenburg.

 

der Haupteingang zum Schloss Charlottenburg
der Haupteingang zum Schloss Charlottenburg
die Reiterstandbild des Großen Kurfürsten
die Reiterstandbild des Großen Kurfürsten

ein kunstvoll gestalteter Zaun schützt vor ungebetenen Gästen und sieht zu dem auch schick aus
ein kunstvoll gestalteter Zaun schützt vor ungebetenen Gästen und sieht zu dem auch schick aus


Weitere namenhafte Architekten verliehen dem Schloss ihre Handschrift - sie erweiterten nach und nach den Bau sowie den dazugehörigen Garten, unter ihnen Andreas Schlüter oder der Schwede Eosander von Göthe. Im Jahr 1705 verstarb die junge Königin Sophie Charlotte mit nur 37 Jahren. Ihr zu Ehren änderte ihr Gemahl den Namen des Schlosses und der angrenzenden Siedlung. Fortan wurde am Schloss Charlottenburg weitergebaut - König Friedrich I. erklärte die Anlage zu seiner bevorzugten Nebenresidenz. In der Folgezeit wurden unter anderem die beeindruckende Schlosskuppel und die Orangerie errichtet. Sie diente der Überwinterung außergewöhnlicher und exotischer Pflanzen, die in den Sommermonaten den prachtvollen Garten zierten.

 

die Sommerresidenz in voller Gänze vom Park aus gesehen
die Sommerresidenz in voller Gänze vom Park aus gesehen
ein Stück barocker Parkanlage
ein Stück barocker Parkanlage

 

Während Friedrich Wilhelm I. das Schloss Charlottenburg nur für repräsentative und offizielle Anlässe nutzte und nur das Notwendigste an Reparaturen sowie Instandhaltung finanzierte, machte Friedrich II. das Schloss 1740 zu seiner bevorzugten Residenz. Friedrich II., besser bekannt unter seinen Pseudonymen „Friedrich der Große“ oder der „Alte Fritz“, brachte den Rokoko in das Schloss Charlottenburg. Der verantwortliche Architekt war Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, der seine gestalterische Signatur auch in zahlreichen weiteren Bauten in Berlin und Brandenburg hinterließ. Doch anscheinend war das Charlottenburger Schloss nicht der erhoffte Rückzugsort für Friedrich den Großen, denn bereits 1744 ließ er in Potsdam das Stadtschloss zur Dauerresidenz ausbauen und die Arbeiten am Schloss Sanssouci als Sommersitz einleiten. Dennoch wurden die umfangreichen Bauarbeiten in Berlin abgeschlossen - das Schloss Charlottenburg diente von nun an für Familienfeierlichkeiten.

 

einer der vielen Nebeneingänge zum Schlosspark
einer der vielen Nebeneingänge zum Schlosspark
geschlossene Weihnachtsmarkt-Häuschen
geschlossene Weihnachtsmarkt-Häuschen


Friedrich Wilhelm II. brachte den Frühklassizismus in das Schloss Charlottenburg. Unter der Leitung des Architekten Carl Gotthard Langhans entstanden das Schlosstheater und die Kleine Orangerie.


Während der Regentschaft des Königspaares Friedrich Wilhelm III. und seiner Gemahlin Luise wurden im Schloss kaum große Veränderungen durchgeführt. Zu den wenigen Änderungen gehörte die Modernisierung der ehemaligen Wohnung seines Großvaters 1824, die der König durch keinen geringeren Architekten als Karl Friedrich Schinkel für seine neue Ehefrau herrichten ließ. Außerdem veranlasste er den Bau des Neuen Pavillons.


Der Klassizismus und Neorokoko waren die beherrschenden Stilrichtungen im Schloss als Friedrich Wilhelm IV. in Charlottenburg einzog. Er ließ die Residenz für sich und seine Gemahlin Elisabeth neu gestalten. Diese wohnte auch nach dem Tod ihres Gemahls 1861 weiterhin im Schloss.


Mit Friedrich III. endet die Nutzung des Schlosses Charlottenburg als Residenz der Preussischen Könige. 1888 zog er zwar noch in das Schloss ein, wechselte jedoch wenig später nach Potsdam über, wo er dann noch im gleichen Jahr starb. Fortan wurden hier fürstliche Gäste empfangen, die hier eine luxuriöse Unterkunft vorfanden.

 

das Museum im ehemaligen Schlosstheater
das Museum im ehemaligen Schlosstheater
Blick auf die große Orangerie
Blick auf die große Orangerie

 

In Zeiten des Krieges


Kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges dienten einige Räume des Schlosses als Lazarett. Auch nach Kriegsende befand sich in Teilen des Schlossen und in hölzernen Bauten am Schlosspark eine Herberge für Kriegsversehrte. 


Mit der Gründung der Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten 1926 sowie der Unterzeichnung eines  Nutzungsvertrags ging das Schloss Charlottenburg endgültig in die Berliner Hand über. Ab 1927 öffneten sich die Tore für öffentliche Besichtigungen.


Ein Bombenangriff im Jahr 1943 sorgte für schwere Schäden am Schloss, die auf Drängen der Schlösserverwaltung bis 1957 wieder behoben werden konnten. Der Wiederaufbau wurde weitestgehend nach den Plänen des barocken Vorbildes ausgeführt. Auch die heute weithin sichtbare Kuppel wurde wieder hergestellt.

 

 

Der Schlossgarten


Auch der Schlossgarten erlebte viele Zeiten des Wandels, wobei er je nach Besitzer unterschiedlich genutzt, gepflegt oder sogar schon einmal verpachtet wurde. Ursprünglich wurde er als Barockgarten im Jahr 1697 angelegt. Das 55 Hektar große Areal umfasste einen Spielgarten mit Basins, eine Boule-Bahn und weitere barocke Spielereien.

 

Zwischen 1713 und 1740 erlebte der Garten eine Durststrecke: die Kosten des Unterhalts wurden drastisch gekürzt, während das Land teilweise von Ackerbauern bewirtschaftet wurde.

 

Mit der Regenschaft von Friedrich II. blühte der Schlossgarten wieder auf, diesmal aber im Stile des Rokoko. Zwischen 1786 und 1797 entschied sich der neue König  Friedrich Wilhelm II. für den Umbau im Stil der englischen Landschaftsgärten, an dem auch Peter Joseph von Lennés mitarbeitet.


Auch am Schlossgarten ging der Zweite Weltkrieg nicht spurlos vorbei. Doch bereits in den 1950er Jahren trieb die Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten den Wiederaufbau nach barocken Vorbild voran. So ist der Schlossgarten heute ein Naherholungsgebiet für Charlottenburger, für Touristen, Jogger, Hundeausführer und für verliebte Pärchen.

 

auch mal eine Pause machen - das geht besonders gut auf historischen Bänken
auch mal eine Pause machen - das geht besonders gut auf historischen Bänken
Dienstfahrzeug mit bester Ökobilanz
Dienstfahrzeug mit bester Ökobilanz

 

Nutzung als Museum und Veranstaltungsort


Schon seit den 1960er Jahren wurden Teile des Schlosses als Museum genutzt. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte residierte bis 2009 im Schlosstheater, mit Unterbrechung für Sanierungsarbeiten. Zukünftig soll das Hohenzollernmuseum hier seine neue Heimat finden.


Die Kleine Orangerie beherbergt ein Restaurant; im Sommer finden hier regelmäßig Kunstausstellungen und Konzerte statt. Auch die Große Orangerie, die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nach originalem barocken Ideal wieder errichtet wurde, dient heute als vielseitiger Veranstaltungsort.

 

im Hintergrund versteckt sich das Belvedere
im Hintergrund versteckt sich das Belvedere

 

Das Schloss selbst kann heute in Form eines Museums besichtigt werden. Wie am Anfang schon erwähnt, erlebt man hier hautnah den Wandel der Epochen an einem Objekt. Außerdem sind zahlreiche Gemälde, das Porzellankabinett und weitere Sammlungen zu besichtigen. Dabei kann man das Originalinventar, teilweise aufgestockt mit Beständen aus den zerstörten Berliner und Potsdamer Bauwerken der Preussen sowie breit gefächerte Dauerleihgaben des Hauses Hohenzollern, bestaunen.

 

 

Gerade ist das Schloss  teilweise wieder mit Baugerüsten umhüllt. Ein Anblick, der sich alle paar Jahre für Sanierungen wiederholen wird. Derzeit verweilt auch der Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg. Noch bis zu 26. Dezember 2015 können Besucher Nasch- und Handwerk bestaunen und sich von der eindrucksvollen Lichtpräsentation überzeugen, die in den Abendstunden das Schloss sowie Teile des Parks illuminieren. Wer also seinen Festtagsbraten in Form eines Spazierganges los werden möchte, dem sei ein Rundgang im Schloss und im angrenzenden Garten wärmstens empfohlen.

 

An dieser Stelle wünsche ich euch ein fröhliches und

besinnliches Weihnachtsfest im Kreise eurer

Lieben und einen guten Rutsch ins neue Jahr.