Natur-Park Südgelände - die Natur auf dem Vormarsch

 

Der Frühling ist endlich auch in Berlin angekommen und schreit damit förmlich nach einem Ausflug. Nur was könnte man machen: Fahrrad fahren, Inline skaten oder doch lieber ein Spaziergang auf unbekanntem Terrain? Wir haben uns für Letzteres entschieden und uns auf eine Entdeckungsreise in den Natur-Park Südgelände begeben.

 

Den Stein ins Rollen hatte eine Reportage im RBB aus dem vergangenen Jahr gebracht, die unter anderen Gottesanbeterinnen auf dem Gelände in Steglitz portraitierte. Diese Geschöpfe bekommt man nicht alle Tage zu sehen, doch sind sie seit kurzem auch in unseren Breiten auf dem Vormarsch. Auch die milden Temperaturen plus die wilde Natur erhöhen die Wahrscheinlichkeit, eine Gottesanbeterin auch zu dieser Jahreszeit vor die Linse zu bekommen.

 

das Wahrzeichen des Parks - der Wasserturm
das Wahrzeichen des Parks - der Wasserturm

 

Der Natur-Park ist verkehrsgünstig mit Bus und Bahn erreichbar: einfach mit der S2 bis zum S-Bahnhof Priesterweg fahren und schon steht der geneigte Besucher fast mit einem Bein in der Grünanlage. Der Eintritt kostet einen Euro und ist bei der Vielfalt des Angebots des Parks ein Schnäppchen bzw. sollte uns die Erhaltung solch wunderbarer Lebensräume für Tier und Mensch diesen symbolischen Euro wert sein!

 

Der Natur-Park Schöneberger Südgelände wurde im Zuge der Planungen für die EXPO 2000 berlinweit und darüber hinaus bekannt. Auf der Fläche von 18 Hektar verbindet der Park Kunst, Natur und Technik auf vielfältige Art und Weise. Doch die Wurzeln des Geländes und dessen frühere Nutzung reichen wesentlich weiter in die Vergangenheit.

 

junge Kunst...
junge Kunst...
...probiert sich aus!
...probiert sich aus!

die Birken haben schon vor Jahren die Gleise erobert
die Birken haben schon vor Jahren die Gleise erobert

 

Der Rangierbahnhof Tempelhof

 

1889 wurde der Rangierbahnhof Tempelhof in Betrieb genommen und bot der Berlin-Dresdener Eisenbahn sowie der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn eine gemeinsame Abwicklung des Bahnverkehrs, da sie ohnehin schon eine gemeinsame Trasse nutzten. Der Rangierbahnhof und das spätere Bahnbetriebswerk Tempelhof erlebten im Laufe der Jahre etliche Erweiterungen und Umbauten. Doch nach der endgültigen Schließung des Anhalter Bahnhofs (übrigens auch eine sehr interessante Geschichte), wurden die Fernbahngleise stillgelegt, wodurch der Verkehr der Westhälfte des Rangierbahnhofs Tempelhof zum Erliegen kam. Unterdessen blieb der Rangierbetrieb im Ostteil des Bahnhofes erhalten, wenn auch eingeschränkt. Das Bahnbetriebswerk erhielt eine neue Funktion: das Werk war fortan Sitz der Brückenmeisterei West der Deutschen Reichsbahn.

 

in der Halle der Brückenmeisterei
in der Halle der Brückenmeisterei
Eingang zur Halle
Eingang zur Halle

 

Rückeroberung der Natur

 

Seit 1952 erobert sich die Natur im wahrsten Sinne des Wortes das Gelände des Rangierbahnhofes zurück. In den 1970er Jahren flammte noch einmal die Idee einer Nutzung als zentraler Güterbahnhof im Süden Berlins auf, doch diese Flamme erlosch still und einsam.  Bereits in den 1980er Jahren wies eine Bürgerinitiative nach, dass das Gelände ökologisch wertvoll und beschützenswert ist. In den beinahe 30 Jahren Stilllegung der Gleise hatte sich bereits eine artenreiche Flora und Fauna angesiedelt.

 



Endgültig gingen die Verantwortung des Geländes und die damit verbundene Nutzung als innerstädtische Grünanlage 1995 in die Hände des Berliner Senates über. Die landeseigene GrünBerlin GmbH übernahm die Gestaltung, Hege und Pflege und weitere Sponsoren investierten kräftig in die Förderung von Kunst, Natur und Technik.

 

Heute sind die Spuren der Vergangenheit zwar noch deutlich sichtbar, aber die Rückeroberung hält an. Besonders an so sonnigen Frühlingstagen ist das deutlich zu sehen, zu hören und zu schnuppern. Die Bienen sind fleißig auf Nahrungssuche und wenn man sich direkt unter den blühenden Bäumen aufhält, ist das Summen der Arbeiterinnen nicht zu überhören. Waldmeister spriesst an manchen Ecken aus dem Boden und lockt die Hummeln an. Aber der Naturpark ist nicht nur ein Rückzugsort für seltene Pflanzenarten, sondern auch ein Refugium für vom Aussterben bedrohte Tiere.

 

leider nicht zu erkennen, aber in den Ästen sind gefühlt tausende von fleißigen Bienchen rumgeflogen
leider nicht zu erkennen, aber in den Ästen sind gefühlt tausende von fleißigen Bienchen rumgeflogen

 

Flora und Fauna des Naturparks mit einem Schuss Kunst und Technik

 

Wer durch den Park spaziert, der wandelt unmittelbar auf, an und neben Kunstwerken vorbei: überall blitzt ein Stück Metall hervor, Statuen stehen am Wegesrand, Theater wird in der Lokhalle gespielt oder Fotografen und Maler suchen ihre Motive in der Wildnis.

 

Birkenwälder haben den Platz zwischen den Gleisen erobert, Brombeerpflanzen wachsen am Wegesrand und Bienen sowie Hummeln summen fleißig herum. Und das war nur eine kleine Auswahl von Pflanzen und Tieren, die uns auf unseren Spaziergang begegnet sind. Da lässt sich die Artenvielfalt schon erahnen. Nicht von ungefähr wurden 1999 weite Teile des Geländes als Landschafts- und Naturschutzgebiet deklariert. Das bekommt besonders den vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten zugute, die hier ein neues zu Hause gefunden haben. Viele erdenkliche Arten von Farnen, Blumen, Pilzen, Spinnen, Grillen, Heuschrecken und Bienen leben hier friedlich miteinander. Nicht zu vergessen die großen und kleinen Vögel, die nicht nur auf den Bäumen nisten, sondern auch auf den Trockenwiesen.   

 

wer es nicht erkennt: eine Hummel!
wer es nicht erkennt: eine Hummel!
Frühblüher
Frühblüher

 

Unübersehbar sind natürlich die Spuren der Technik. Alte Schienen, die Lokhalle und eine Eisenbahnlok sind magische Anzugspunkte für Groß und Klein. Der rostrote, stählerne Wasserturm ist imposant anzuschauen und in der alten Brückenmeisterei gibt es Kunst und Kaffee.

 

Ein Rundweg führt durch den Park: über erhöhte stählerne Stege, welche zum Schutz der Pflanzen und Tiere angelegt worden sind, vorbei an eigenwilliger Kunst und etlichen Graffitis, mit Tafel, die über Flora und Fauna aufklären. Für besonders neugierige sowie wissbegierige Menschen werden auch Führungen zu verschiedenen Themen durch den Park angeboten.

 

 

Ich bin mir sicher, dass sich ein Besuch im Natur-Park Südgelände auch zu anderen Jahreszeiten lohnt. Den Frühlingsspaziergang kann ich schon einmal abhaken. Der Sommer kann also kommen!

 

Noch mehr Bilder gibt es hier in der Galerie Natur-Park Südgelände!