Spaziergang zum Teufelsberg

Abhörstation im Nebel
Abhörstation im Nebel

 

Dieser Spaziergang führte weit, weit raus aus Berlin. Gefühlt. Allerdings wurde die Stadtgrenze noch nicht erreicht. Der Teufelsberg war das ersehnte Ziel, um endlich einmal den spektakulären Blick über Berlin genießen zu können, von dem so viele Berliner und Touristen schwärmen. Um es vorwegzunehmen: von dem herrlichen Weitblick über die City war nicht viel zu sehen, dafür gab es Wolken und Nebel.

 

Das hätte der Blick über die City West sein können
Das hätte der Blick über die City West sein können
Bildervielfalt I
Bildervielfalt I

 

Teufelsberg, Teufelsberg…das ist doch der Ort der ehemaligen Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-amerikanischen Streitkräfte? Sehr viel mehr wusste ich bisher auch nicht.  Aber wie sollte es anders sein - es gibt eine Geschichte vor der Geschichte der Abhörstation. Ich werde probieren, diese in aller Kürze zusammen zu fassen. Wer tiefer in die Materie dringen möchte, der kann sich bei einer vor Ort geführten historischen Tour informieren.

 

eine der Kuppeln im dichten Nebel
eine der Kuppeln im dichten Nebel
ein kleines Stück blauer Himmel über der Abhörstation
ein kleines Stück blauer Himmel über der Abhörstation

 

Eine kleine Geschichte des Teufelberges

 

In den 1920er Jahren legte der Magistrat von Berlin den Grundstein für das Naherholungsgebiet Grunewald. Das Gebiet wurde bewaldet und von den Berlinern dankbar als Ausflugsziel genutzt. Zur Zeit der Nationalsozialisten plante man auf dem Gebiet eine Hochschulstadt im Zuge der Pläne für die „Welthauptstadt Germania“ für die Elite des Landes. Der Bau der „Wehrtechnischen Fakultät“ begann 1937, wurde jedoch 1940 wieder eingestellt, da es sich nicht um ein kriegswichtiges Gebäude handelte. Nach 1945 wurde das halbfertige Gebäude teilweise gesprengt und die Reste zum Wiederaufbau der Stadt genutzt.

 

By Phil Jern - Flickr: Teufelsberg Site, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23226533
By Phil Jern - Flickr: Teufelsberg Site, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23226533

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg türmten sich in Berlin die Trümmer und es entstanden die sogenannten Trümmerberge. Neben den bekannten Trümmerbergen im Volkspark Friedrichshain und Humboldthain wurde auch im Grunewald Schutt des II. Weltkrieges aufgeschüttet. Der Teufelsberg wuchs zur höchsten Erhebung im Westteil der Stadt an und bis 1972 wurden 26 Millionen Kubikmeter Schutt angehäuft.

 

Für die Westberliner entstand ein Naherholungsgebiet, welches besonders im Winter magische Anziehungskräfte versprühte - der Teufelsberg bot neben einer Ski- und Rodelbahn den einzigen Schlepplift Berlins.

 

Die heutige (verfallende) Attraktion, die Field Station Berlin Teufelsberg der US-Amerikaner, entstand bereits in den 1950er Jahren. Die Anlage war Abhör- und Überwachungsstation der Allierten und Bestandteil des weltweiten Spionagenetzwerkes Echelon. So war die Spitze des Berges fest in der Hand der Amerikaner sowie der Briten - die weißen Kuppeln ein Sinnbild des Kalten Krieges in Berlin. Nicht nur die SBZ bzw. die DDR wurde belauscht, sondern die gesamten Ostblockstaaten.

 

zwischen Kunst und Zerfall
zwischen Kunst und Zerfall
Bildervielfalt II
Bildervielfalt II
zerstörte Welten
zerstörte Welten

 

Die Geschichte nach 1990 ist schnell erzählt und ist eine Geschichte des Streits sowie des Zerfalls. Bis 1999, die Amerikaner und Briten waren bereits abgezogen, wurde die Radaranlage noch zur zivilen Überwachung des Luftraums genutzt. Danach kaufte eine private Investorengemeinschaft das Areal, die exklusiven Wohnungsbau betreiben wollte, aber an Umweltschützern und horrenden Baukosten scheiterte. Danach verkam das Gelände.

 

spektakulärer Tanz an der Wand
spektakulärer Tanz an der Wand

 

Heute ist das Gelände ein verfallendes Denkmal des Kalten Krieges kultureller Austauschort für Kreativität, Kitsch und Kunst sowie Europas größte Graffiti-Galerie, nach eigenen Aussagen des Betreibers. Seit dem diesem Sommer gibt es einen neuen Pächter, der mit den sieben Euro Eintritt (ermäßigt fünf Euro) die Gebäude-Reste sichern und langfristig befestigen möchte (...ehrliche Preise, wenn man bedenkt, dass laut der Aussage des neuen Pächters das Areal kein kapitalistischer Ort werden soll).

 

Bildervielfalt III
Bildervielfalt III
Lieblingsgraffiti
Lieblingsgraffiti

 

Auf jeden Fall lohnt sich ein Ausflug in den Grunewald und auf den Teufelsberg. Frische Luft schnappen, das leckere Essen mit einem Spaziergang auf den verschlungenen Wegen durch den Wald ein wenig abtrainieren - das ist mein Tipp für die Zeit zwischen den Weihnachtsfeiertagen.

 

Fazit: Auch bei schlechter Sicht nen Besuch wert - Der Teufelsberg.

 

PS:  Der Teufelsberg ist übrigens nicht mehr die höchste Erhebung Berlins mit knapp 120 Meter ü.NHN. ! Die höchste Erhebung sind nach Stand  2015 die Arkenberge in Blankenfelde mit 121 Metern ü.NHN.