Buchtipp: Jüdisches Leben nach 1945 - Komik und Tragik dicht beieinander

drei auf einen Streich - Michel Bergmann "Die Teilacher", "Machloikes" und ganz versteckt im Hintergrund "Herr Klee und Herr Feld"
drei auf einen Streich - Michel Bergmann "Die Teilacher", "Machloikes" und ganz versteckt im Hintergrund "Herr Klee und Herr Feld"

 

Der heutige Buchtipp ist der Trilogie von Michel Bergmann über "Die Teilacher" gewidmet. Ich bin auf die Romane im Radio bei einer Buchbesprechung aufmerksam geworden. Nun habe ich meine "Muss-ich-unbedingt-lesen-Bücherliste" wieder gefunden und mir die drei Bücher zu Gemüte geführt. Allerdings in der verkehrten Reihenfolge: ich habe mit dem dritten Teil angefangen, der damals im Radio vorgestellt worden ist und bin dann zum ersten Buch gesprungen, was aber im Grunde genommen kein Problem darstellte.

 

"Die Teilacher" ist der erste Roman in einer Trilogie des Autors Michel Bergmann, welcher vom jüdischen (Über)-Leben im Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg handelt. Das Buch ist mit viel Herz und Witz geschrieben, dem berühmten jüdischen Humor, so dass es mir äußerst schwer fiel, es aus der Hand zu legen.

 

Das Wort "Teilacher" kommt aus dem jiddischen Sprachgebrauch und bedeutet soviel wie Einzelhandelsvertreter. Oder auch Hausierer. Selbiger Betätigung gehen die Figuren in Bergmanns Roman nach. Sie verkaufen in den Nachkriegsjahren Aussteuerpakete (die Bettwäsche und Handtücher, die ihr in der Regel in Omis Truhe findet) in Frankfurt am Main. Sie ziehen dabei alle Register ihres Verhandlungsgeschicks und drücken dabei kräftig und humorvoll auf die Tränendrüse - eben mit viel Chuzpe.

 

By D Thompson [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons
By D Thompson [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

 

Dabei ist es gar nicht selbstverständlich, dass die Teilacher, Frankfurter und Berliner Juden, in Deutschland bleiben. Aber die Einwanderungspolitik der USA sowie der Streit um das Land Israel machen es vielen Überlebenden unmöglich auszuwandern.

 

Der Roman beginnt mit dem Ende. Alfred Kleemann kümmert sich nach dem Tod seines Onkels David Bermann 1972 um dessen Nachlass im Altenheim und stößt dabei auf seine eigene geheimnisvolle Familiengeschichte. David Bermann ist nicht nur der elegante Flaneur, sondern auch ein Mitglied der Teilacher gewesen, die im zerstörten Frankfurt am Main zwischen den Wintern 1945 und 1965 um das Überleben kämpften. Auf der Beerdigung lernt Alfred nach und nach die alten Weggefährten kennen, so dass sich ein neues Bild seines vermeintlichen Onkels zusammenfügt.

 

Auch in das Leben vor und nach dem Krieg der anderen jüdischen Protagonisten erhält der Leser Einblick. Als kleines Beispiel sei die Figur von Robert Fränkel genannt, der angeblich Hitler Humor beibringen sollte und darüber genauestens Auskunft bei der Militärverwaltung geben muss. 

 

im Hintergrund taucht nun der letzte Roman auf
im Hintergrund taucht nun der letzte Roman auf

 

Die Figuren beschreibt Bergmann spannend, witzig und mit viel Dialekt. Man erhält quasi einen Crash-Kurs in Jiddisch und dem Glossar sei dank, dass man als Leser alles verstehen kann. Mit "Die Teilacher" vermischt Bergmann auf humorvolle Art und Weise Fiktives und Historisches zu einem charmanten, manchmal absurd klingenden Gesamtkunstwerk. Es ist gerade die Balance zwischen Witz und Tragik, Lachen und Weinen, die diesen Roman so faszinierend macht.

 

Michel Bergmann, Journalist und Regisseur, selbst Kind geflüchteter Juden, hat mit "Machloikes" und "Herr Klee und Herr Feld" noch zwei weitere Romane folgen lassen, die die Geschichte von den Teilachern und Alfred Kleemann zu Ende erzählen, ebenfalls mit dem unvergleichlichen Humor.

 

Derzeit läuft die Verfilmung der "Teilacher" unter dem Titel "Es war einmal in Deutschland" in den Kinos. Laut Inhaltsangabe nicht ganz getreu nach dem Buch, aber dennoch eine schöne Gelegenheit, wieder ins Kino zu gehen.

 

Wer online bestellen möchte, der möge diesen Links folgen oder beim regionalen Händler kaufen:

Die Teilacher

Herr Klee und Herr Feld

 

Damit verabschiede ich mich in die kurzen Osterferien...

 

...SHALOM und bis zum nächsten Mal!